Es ist kaum vorstellbar, aber es gab Zeiten in denen man Thüringen verlassen hat, um eine neue Heimat zu finden. Anfang des 19. Jahrhundert begann eine Auswanderungswelle ungeahnten Ausmaßes, ausgelöst durch vielerlei Gründe.

Der Tambora, ein Vulkan im fernen Indonesien war einer der Auslöser. Er spukte soviel Asche in die Atmosphäre, dass sich das weltweite Klima in kurzer Zeit veränderte. Ein Resultat daraus war 1816, das „Jahr ohne Sommer“ oder „Achtzehnhundertunderfroren“. Missernten und damit verbundene Hungersnöte waren die Folge. Auch politische und religiöse Gründe verstärkten vielfach den Wunsch nach einer neuen Heimat. Natürlich gab es auch ein paar Abenteurer, die auf der Suche nach plötzlichem Reichtum den Weg in die Fremde antraten. Und ein paar wenige sind auch nicht ganz freiwillig ausgewandert. Vor allem sozial Schwache oder Kleinkriminelle wurden gern auch mal mit ein paar Talern aus der Gemeindekasse zur Auswanderung „überredet“.

Man geht derzeit von über 73.000 Thüringern aus, die sich vor allem in Amerika wandten. Ein großer Teil davon hat die beschwerliche Überfahrt überlebt, einige davon erreichten ihr Ziel jedoch nicht. Zunächst hatte man eine teils wochenlange Reise zu den großen Häfen in Hamburg, Bremen oder Rotterdam vor sich. Zunächst mit den damals üblichen Verkehrsmitteln wie Pferdewagen, Kutsche oder Binnenschiff, später dann mit der Dampf-Eisenbahn.

In den Anfangsjahren ging es dann meistens weiter nach England, um von dort aus per Segelschiff monatelang den Atlantik zu überqueren. Am Zielhafen in Amerika angekommen ging es dann noch mehrere Wochen über hunderte Meilen weiter in den Mittleren Westen. Wer die Schiffspassage heil überstand, hatte das Schlimmste also noch vor sich.  Endlich angekommen erlebten viele eine herbe Enttäuschung, der Boden war karg, kein Baum oder Strauch war weit und breit vorhanden. So hauste man anfänglich in Hütten aus Grassoden und musste sich gegen allerlei Getier erwehren. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass es manch einen entweder in die nun wachsenden Großstädte oder wieder nach Deutschland zog.

Jedoch gab es auch andere Ziele als die Vereinigten Staaten von Amerika. Nicht wenige Thüringer migrierten bereits vor der großen Auswanderungswelle nach Nordamerika ins Baltikum, nach Russland, Schweden oder nach Holland. Andere wurden in Südamerika, also Brasilien, Argentinien oder Chile ansässig. Aber auch der afrikanische und der australische Kontinent waren Ziele unserer Thüringer Auswanderer.

Es gibt eine Reihe von Quellen, mit deren Hilfe unsere Forscherfreunde im In- und Ausland versuchen, die Wege und Familiengeschichten nachzuverfolgen. Im heutigen Thüringen ist das jedoch nicht immer einfach. In der Zeit der großen Auswanderungswellen war Thüringen eher das, was man einen Flickenteppich nennt. Eine Vielzahl von Kleinstaaten mit einer Kombination von Sachsen im Namen sowie eine preußische Provinz Sachsen auf dem Territorium des heutigen Thüringen stiften auch heute noch Verwirrung bei den Migrationsforschern. So finden sich in vielen Quellen Herkunftsangaben wie „Saxe“ oder einfach „Germany“. Frei nach Falco: „Und plötzlich heißt Maria Marilyn und Eva heißt Yvonne…“. Erhellen kann man diese Angaben nur durch gemeinsame Forschungsarbeit beiderseits der Ozeane.

Wollten Sie schon immer einmal wissen, ob Ihre Vorfahren aus Thüringen kommen? Oder sind Sie einfach an Verwandten interessiert, die sich auf eine lange und beschwerliche Reise in (fast) alle Teile der Welt gemacht haben? Wir hoffen, Ihnen darauf mit unserer Datenbank eine Antwort geben zu können.

In unserer Datenbank finden sich vorrangig Auswanderer-Familien aus dem Gebiet des heutigen Freistaates Thüringen. Soweit es uns möglich war, haben wir auch die Eltern und Kinder hinzugefügt. Zusätzlich finden sich auch Auswanderer aus angrenzenden oder weiter entfernten Territorien, die unsere Forscherfreunde aus ihren persönlichen Datenbeständen beigesteuert haben.